Das Geheimnis des dauerhaften Erfolgs
© Shutterstock Branislav-NeninIn den letzten beiden Ausgaben haben wir erfahren, warum ein Gewohnheitssystem wichtig ist und dass Motivation oft überbewertet wird. Wir wissen auch, dass Gewohnheiten möglichst einfach umsetzbar sein sollten. Abschliessend geht es darum, die neuen Gewohnheiten langfristig beizubehalten.
© Shutterstock Brett-Hondow«Für den Erfolg zählt nicht eine einzelne Spitzenwoche, sondern das, was Sie über 52 durchschnittliche Wochen tun. Lassen Sie deshalb die Kette Ihrer Trainingsgewohnheiten nie abreissen!»
Fortschritte stellen uns zufrieden. Sichtbare Messgrössen zeigen uns den Erfolg klar und deutlich. Sie verstärken unser Verhalten und verschaffen uns bei jedem Handeln ein gewisses Mass an Befriedigung. Sichtbarkeit lässt sich auf vielfältige und kreative Weise erschaffen, mit Trainingsprotokollen, digitalen Fortschrittsbalken oder Tagebuchnotizen. Es geht noch einfacher: Stellen Sie ein Glas mit Büroklammern an einem gut sichtbaren Ort auf und direkt daneben ein leeres Glas. Nach jeder umgesetzten neuen Gewohnheit – beispielsweise nach jedem absolvierten Training – legen Sie eine Büroklammer aus dem ersten ins zweite Glas – so lange, bis alle Büroklammern dort angekommen sind.
Forschungen zufolge haben Menschen, die abnehmen oder mit dem Rauchen aufhören wollen, mit höherer Wahrscheinlichkeit Erfolg, wenn sie ihren Fortschritt protokollieren. Allein das Festhalten des eigenen Verhaltens kann den Wunsch hervorrufen, es zu verändern. Gewohnheitstracking sorgt auch dafür, dass wir ehrlich sind: Der Blick auf die Büroklammern im Glas verrät sofort, ob wir fleissig trainiert haben oder nicht.
Besonders an einem schlechten Tag ist das Gewohnheitstracking wirkungsvoll, denn dann vergessen wir allzu leicht die grossen Fortschritte, die wir schon gemacht haben. Ein einfacher Blick auf das gewählte Trackingsystem ist eine unterschwellige Erinnerung an unsere erbrachte Leistung. Training beispielsweise macht nicht immer Spass – das kennt der Berufssportler genauso wie der Gesundheitssportler. Wenn wir auch an unserer Trainingsroutine festhalten, wenn es mal nicht läuft wie geplant, stärken wir unser Gewohnheitssystem nachhaltig.
© Shutterstock Harbucks«Gewohnheiten müssen so einfach sein, dass wir sie auch an Tagen ausführen, an denen wir keine Lust haben. In der Gruppe fällt vieles leichter, und Bewegung macht gleich doppelt Freude.»
Noch wichtiger als jede einzelne Aufzeichnung ist ein guter Plan, auf den wir zurückgreifen können, wenn unsere Gewohnheiten auf Abwege geraten. Es lässt sich nicht vermeiden, dass uns «das Leben» irgendwann in die Quere kommt. Keiner von uns ist perfekt und früher oder später wird es Zwischenfälle geben, die unsere Gewohnheiten aus der Spur bringen. Dann gilt die einfache Regel: «Nie zweimal hintereinander». Es kommt vor, dass einmal ein Training ausfällt, aber zwei Trainings hintereinander sollten nicht ausfallen. Es kommt vor, dass wir einmal zu Fast Food greifen, aber am nächsten Tag muss wieder eine gesunde Mahlzeit auf dem Menüplan stehen. Ein Ausrutscher macht niemals alles zunichte – das geschieht erst durch eine Spirale weiterer Fehler. Einmal aussetzen ist eine Ausnahme. Ein zweites Mal aussetzen ist der Anfang einer neuen Gewohnheit! Genau an diesem Punkt unterscheiden sich erfolgreiche Menschen von weniger erfolgreichen. Jeder bringt einmal weniger gute Leistungen, hat einen schlechten Tag, trainiert schlecht. Aber wenn erfolgreiche Menschen scheitern, kommen sie schnell wieder in die Spur.
Allzu oft heisst es bei unseren Gewohnheiten «alles oder nichts». Doch das stimmt nicht, denn auch an schlechten Tagen gilt: «Weniger ist mehr als nichts.» Es ist dann umso wertvoller, wenn wir uns trotzdem zum Training aufgerafft haben. Oft sind sogar die «schlechten» Trainings die wichtigsten, weil wir eben nicht aufgegeben haben und damit unsere Identität und unser Selbstbild stärken.
Zum Abschluss fasse ich die Kernaussagen dieser Artikelreihe zusammen:
- Wir brauchen keine Motivation, sondern ein Gewohnheitssystem
Motivation lässt uns zwar mit der Umsetzung eines guten Vorsatzes beginnen, aber sie wird niemals dazu führen, das neue Verhalten auch dauerhaft beizubehalten. Unsere Gewohnheiten hängen davon ab, welche Auslösereize wir wahrnehmen. Wenn eine Gewohnheit ein wichtiger Teil unseres Lebens werden soll, muss der (oft visuelle) Auslösereiz ein wichtiger Teil unserer Umgebung sein. - Gewohnheiten verhalten sich wie der Zinseszins: Ihre Wirkung ist anfangs kaum sichtbar, summiert sich aber mit der Zeit
Das System unserer Gewohnheiten entscheidet darüber, ob wir unser Verhalten dauerhaft verbessern können. Die täglichen Gewohnheiten prägen unsere Identität, denn Gewohnheiten lassen sich schwer ändern, wenn die Überzeugungen, die unserem alten Verhalten zugrunde liegen, unverändert bleiben. Hören Sie deshalb auf Ihren inneren Dialog! - Gewohnheiten müssen so einfach sein, dass wir sie immer ausführen – auch wenn wir keine Lust dazu haben!
Die «Faulheitsstrategie» ist ein Teil unserer Natur, weil wir grundsätzlich den Weg wählen, der am wenigsten Energie kostet. Das Gewohnheitssystem funktioniert dauerhaft nur, wenn der Aufwand für positive Gewohnheiten so gering wie möglich ist. - Gewohnheitstracking führt dazu, im System zu bleiben!
Automatisieren lässt sich ein System nur, wenn die Serie nicht abreisst. Das Festhalten an einer Tätigkeit motiviert zum Dranbleiben und lenkt den Fokus auf den Prozess statt auf das Ziel.


















