Training ohne Grenzen – Inklusion im Fitnesscenter
Hanspeter Tschui ist stark sehbehindert und trainiert einmal pro Woche im «Physio in Fit» in Zuchwil. Dort bedeutet Inklusion vor allem Zeit, Aufmerksamkeit und gute Anleitung. Hanspeters Ziel: im Alltag möglichst sicher und beweglich zu bleiben.

«Die individuelle Betreuung ist enorm wichtig. Wenn die Geräte gut eingestellt und die Übungen verständlich erklärt werden, klappt das Training reibungslos. Hanspeters Rat an Menschen mit Sehbehinderung: ‹Informiert euch umfassend und nehmt bei Bedarf zu Beginn eine Begleitperson mit.›»
Wenn Hanspeter Tschui im «Physio in Fit» in Zuchwil trainiert, stehen weder schwere Gewichte noch sportliche Rekorde im Fokus. Dem 76-Jährigen geht es vielmehr darum, seine Beweglichkeit zu erhalten und den Alltag sicher zu meistern.
Hanspeter ist stark sehbehindert. Rechts verfügt er noch über etwa zehn Prozent Sehvermögen, links über rund fünf Prozent. Er erkennt vor allem Umrisse und Hell-Dunkel-Kontraste. Mit 56 Jahren erhielt Hanspeter die Diagnose PXE. Die seltene erbliche Erkrankung verändert elastische Fasern im Bindegewebe und kann das Sehvermögen zunehmend beeinträchtigen. «Bei mir hat sich die Sehfähigkeit in den vergangenen Jahren stark verschlechtert», erzählt er. «Ich erkenne Personen bereits aus geringer Entfernung nicht mehr zuverlässig. Auch handwerkliche Arbeiten, Gartenarbeit oder die Orientierung in unbekannten Gegenden sind schwieriger geworden.»
Im Alltag helfen ihm sein Blindenstock, ein Lesegerät, sein Handy und Begleitpersonen. Zum Training kam er durch einen Kollegen. Wichtig war, dass das Center mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar ist. Seit einigen Jahren trainiert er etwa einmal pro Woche.
Seine Ziele sind klar: Fitness für den Alltag, mehr Trittsicherheit, ein besseres Gleichgewicht und möglichst viel Beweglichkeit. Die Übungen werden mit seiner Trainerin Lena Keller abgesprochen. «Wegen meiner Sehbehinderung braucht es keine komplizierten Sonderlösungen,» sagt Hanspeter. «Entscheidend ist, dass die Geräte passend eingestellt und die Bewegungsabläufe verständlich erklärt werden.»

«Trittsicherheit, Gleichgewicht und Beweglichkeit sind für Hanspeter Tschui zentral, damit er seinen Alltag möglichst selbstständig bewältigen kann.»
Lena Keller geht auf seine Wünsche ein, korrigiert die Ausführung und motiviert ihn mit ihrer fröhlichen Art. Auch das Team nimmt sich Zeit. Hanspeter fühlt sich gut aufgenommen.
Seine Geschichte zeigt, wie selbstverständlich Inklusion gelebt werden kann. Es braucht keine grossen Gesten, sondern Aufmerksamkeit und Verlässlichkeit. Hanspeter wünscht sich, dass Fitnessangebote bei Institutionen für Sehbehinderte und der Ärzteschaft bekannter werden. Anderen Betroffenen rät er, sich zu informieren und zu Beginn bei Bedarf eine Begleitperson mitzunehmen. Sein Motto lautet: «Positiv denken. Es gibt immer eine Lösung.»

















