Fitnesscenter überholen erstmals die Sportvereine

Heute besitzen 22 Prozent der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren ein Fitnesscenterabo – damit sind erstmals mehr Menschen in einem Fitnesscenter aktiv als in einem Sportverein. Die BASPO-Studie «Sport Schweiz 2026» zeigt: Fitnesscenter gehören für einen wachsenden Teil der Bevölkerung zum Sportalltag. Trainiert wird dabei nicht nur für die Figur, sondern vor allem für Gesundheit, Wohlbefinden und einen Alltag, der möglichst flexibel bleiben soll.

«Fitness hat viele Gesichter: Frauen und Männer, Junge und Ältere trainieren heute für ganz unterschiedliche Ziele – für mehr Kraft, mehr Gesundheit, mehr Wohlbefinden oder einfach, weil Bewegung guttut.»

Früher Sportverein, heute Fitnesscenter? Ganz so einfach ist es nicht. Die Zahlen zeigen, wie stark sich die Schweizer Sportlandschaft verändert hat. 22 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer ab 15 Jahren besitzen heute ein Fitnesscenterabo. 2020 waren es 19 Prozent, 2008 erst 14 Prozent. Gleichzeitig sind 19 Prozent der Bevölkerung Aktivmitglied in einem Sportverein.

Das ist jedoch kein Wettkampf zwischen zwei Sportwelten. Vereine bleiben gerade für Kinder und Jugendliche wichtig. Aber Fitnesscenter passen offenbar gut zu einem Alltag, der individueller organisiert wird. Wer trainiert, möchte selbst entscheiden, wann, wie lange und wie oft. Diese Ungebundenheit wird als wichtigster Vorteil genannt. Dazu kommen flexible Öffnungszeiten und breite Angebote.

Und was treibt die Menschen zum Training?
Wer Fitnesscentertraining vor allem mit Spiegel, Muskeln und Bikinifigur verbindet, greift zu kurz. Regelmässig Trainierende achten zwar oft stärker auf Figur und Aussehen, und gleichzeitig werden Fitness und Gesundheit sowie Entspannung und Stressabbau besonders hoch bewertet. Über alle Sporttreibenden hinweg ist «Fitness und Gesundheit» das mit Abstand wichtigste Motiv, wenn es um Bewegung geht.

«Ein Wendepunkt im Schweizer Sport: Erstmals haben mehr Menschen ein Fitnesscenterabo als eine Aktivmitgliedschaft in einem Sportverein.»

Vielleicht erklärt genau das den Erfolg moderner Fitnesscenter. Das Angebot reicht von Krafttraining und Gewichtheben über Ausdauertraining, Pilates oder Yoga bis zu Lektionen mit gezielten Rückenübungen. Oder es geht einfach darum, für eine Stunde den Kopf freizubekommen. Der eine möchte kräftiger werden, die andere beweglicher. Manche trainieren zum Stressabbau, andere, um sich im eigenen Körper wohler zu fühlen. Oft ist es eine Mischung aus verschiedenen Beweggründen.

Auch das Publikum ist vielfältiger geworden. Frauen und Männer trainieren ähnlich häufig in einem Fitnesscenter. Das gilt auch für Menschen mit Schweizer und ausländischer Nationalität. Besonders stark gewachsen ist die Nutzung bei den 25- bis 34-Jährigen und bei den 55- bis 64-Jährigen.

Trotzdem ist nicht alles erreicht. Menschen mit höherem Einkommen besitzen deutlich häufiger ein Fitnessabo als Personen mit kleinem Budget. Auch zwischen Stadt und Land sowie zwischen den Sprachregionen bestehen Unterschiede.

Die Botschaft der Studie ist deshalb nicht, dass das Fitnesscenter den Sportverein «geschlagen» hätte. Sie ist interessanter: Bewegung wird vielfältiger, flexibler und persönlicher. Und das Fitnesscenter ist für immer mehr Menschen der Ort, an dem genau das möglich wird.

Quelle:

Lamprecht, M., Bürgi, R., Stamm, H. P., Gebert, A.: Sport Schweiz 2026 – Sportaktivität und Sportinteresse der Schweizer Bevölkerung. Magglingen, Bundesamt für Sport BASPO, 2026.