Training ohne Grenzen – Inklusion im Fitnesscenter

Giorgio Dal Monte ist 25, arbeitet als Steuersachbearbeiter in Zürich und trainiert im «Lillo’s Fitness-Träff» in Döttingen. Seinen Rollstuhl vergisst man schnell. Inklusion zeigt sich hier im Alltag – im Team, an den Geräten und in seinem Motto «You versus You».

«Durch das Training bin ich im Alltag viel mobiler. Ich kann längere Strecken ohne Pause fahren und Steigungen einfacher schaffen. Für mich gehört das Gym inzwischen genauso dazu wie meine Arbeit oder das Training im Verein.»

Wenn Giorgio nach der Arbeit ins «Lillo’s Fitness-Träff» kommt, wirkt es unspektakulär. Er rollt hinein, begrüsst die Leute, verstaut seinen Rucksack und beginnt mit dem Aufwärmen. Für ihn ist das kein spezieller Anlass, sondern ein fester Teil seines Alltags.

Giorgio lebt mit einer inkompletten Paraplegie, die etwa sechs Monate nach seiner Geburt festgestellt wurde. Aufgewachsen ist er mit dem Rollstuhl, es gab nicht einen plötzlichen Bruch in seinem Leben. Heute pendelt er nach Zürich und ¬arbeitet als Steuersachbearbeiter. Sein Arbeitgeber ist entspannt, wenn es um Termine wie Physiotherapie geht, und auch sein Umfeld unterstützt ihn stark. Hindernisse auf dem Arbeitsweg hat er zum Glück keine.

Im Fitnesscenter trainiert Giorgio vor allem, um seinen Körper alltagstauglich und leistungsfähig zu halten. Er ist sportlicher geworden, kann längere Strecken ohne Pause zurücklegen und ist schneller unterwegs. Steigungen, die früher anstrengend waren, sind heute einfacher zu bewältigen. Er plant nicht jedes Detail voraus, sondern probiert aus. Wenn er nach einer Übung merkt, dass etwas nicht ideal war, passt er es beim nächsten Mal an.

Ein weiterer wichtiger Teil seines Lebens ist der Sport im Verein. Giorgio spielt Rollstuhl-Unihockey beim Rollstuhlclub Zürich und im Team Suisse. Das bedeutet zweimal pro Woche Training in Zürich und ein bis zwei Trainings pro Monat mit dem Nationalteam, dazu kommen jedes Jahr verschiedene internationale Turniere. Dank Fitnesstraining sitzt er während des Spiels stabil im Stuhl, kann schnell beschleunigen und hat bis zum Schluss genug Ausdauer.

«Ich habe eine inkomplette Paraplegie, aber ich definiere mich nicht über den Rollstuhl. Im Training geht es darum, Grenzen zu erweitern. Ich will meinen Körper so gut nutzen, wie es für mich möglich ist, und Schritt für Schritt besser werden.»

Ein starkes Team: Giorgio mit Trainerin Senta

Im «Lillo’s» findet er die Bedingungen, die er dafür braucht. Trainerin Senta Frei begleitet ihn, achtet auf saubere Technik und sucht gemeinsam mit ihm nach Lösungen, wenn eine Übung oder ein Gerät nicht auf Anhieb passt. Oft reichen kleine Anpassungen, etwa bei der Positionierung oder bei der Übungsauswahl. Wichtiger als Perfektion ist die Haltung im Team: fragen, zuhören, ausprobieren.

Giorgio sieht sich nicht als Aus¬nahmefall. Er ist jemand, der seinen Weg gefunden hat. Es geht ihm weniger darum, schneller zu sein als andere, sondern darum, sich selbst weiterzubringen. Arbeit, Training und Sport greifen bei ihm ineinander. Seine Geschichte zeigt, wie Inklusion im Fitnesscenter aussehen kann, wenn man Menschen ernst nimmt und gemeinsam nach Wegen sucht.