Training ohne Grenzen – Inklusion im Fitnesscenter

Nina Henz lebt mit MS. Nach einem heftigen Schub verliess sie das Spital im Rollstuhl, später kam die Reha. Heute trainiert sie im «Next Level Fitness» in Zwingen und sagt trocken: «Aufgeben war nie eine Option.» Klingt nach Floskel. Bei ihr ist es Alltag.

«Mit Manuel trainiere ich Stabilisation und Kraft. Er fordert mich, ohne mich zu überfordern. Genau das hilft mir, wieder Vertrauen in meinen Körper zu gewinnen und mit kleinen Fortschritten dranzuzubleiben.»

Nina Henz wohnt im Laufental und lebt mit Multipler Sklerose. Für Mitleid hat sie wenig Verwendung. Die MS ist keine Dauerbremse, sondern eine Krankheit mit Launen. Wenn die Fatigue kommt, sind neun Stunden Schlaf manchmal nur die Vorspeise. Dazu kommen Spastik und Tage, an denen der Akku leer ist.

Die Diagnose erhielt Nina 2019, mit 19 Jahren. Zuerst rannte sie davor weg, wie sie sagt. 2025 wurde die MS brutal deutlich. Nach einem Medikamentenwechsel erlitt sie einen starken Schub. Nina ging zu Fuss ins Spital und verliess es im Rollstuhl. Zeitweise konnte sie vom Knie bis zum Rumpf die Muskeln nicht mehr bewusst ansteuern. Nach Kortison, Blutwäsche und Reha war klar: Zurück geht es nicht auf Knopfdruck.

Mental war diese Zeit hart. Nina hatte Angstzustände und kam an ihre Grenze. Hilfe anzunehmen, fiel ihr schwer. Geholfen haben Familie, Partner, Freunde, Therapien und ein Arbeitgeber, der ihr Zeit gab. Ohne dieses Umfeld, sagt sie, wäre sie heute nicht wieder so fit.

Heute ist Nina als Teamleiterin der Administration in einem Altersheim und baut ihr Pensum langsam auf: Je nach Energie arbeitet sie zwei Tage im Homeoffice und drei Tage im Büro. Neben Therapien braucht sie Spaziergänge, Sport, Nähen, Freunde und Nichtstun.

Nach Reha und MTT wollte sie ihre Fortschritte nicht verlieren. Ihr Ziel war klar: zurück zum Pole Dance. Auf Instagram stiess sie auf das «Next Level Fitness» in Zwingen. Trainer Manuel Rudi kannte ihre Geschichte und sagte beim Probetraining sinngemäss: «Schau auf deine Fortschritte, nicht auf das, was war.»

«Ich ging zu Fuss ins Spital und verliess es im Rollstuhl. Das war der Tiefpunkt meiner MS-Erkrankung. Heute weiss ich: Jeder Tag, an dem ich einfach aufstehen kann, ist ein guter Tag.»

Heute macht Nina Krafttraining und Pole Dance. An schlechten Tagen kürzer, aber nicht gar nicht. An Hitzetagen über 30 Grad wird sie vorsichtiger. Wenn Dehnen oder langes Training elektrisieren, hört sie auf. Kein Drama, eher ein gutes Gespür für den eigenen Körper.

Das Training hat ihr Kraft, Energie und Selbstvertrauen zurückgegeben. Sie kann wieder laufen. Ihr Körper ist nicht der Gegner. Er braucht Aufmerksamkeit, Geduld und einen Trainer, der Ausreden charmant pariert. Ihr Leitsatz bringt es auf den Punkt: «Besser kleine Schritte als keine Schritte.»