Fasten – Hype oder Ernährung mit Beipackzettel?

«Fasten, ursprünglich­ spirituell ­verankert, wird heute für seine gesundheit­lichen Vorteile geschätzt. Wissenschaftlich unterstützt es Langlebigkeit und Krankheitsprä­vention. Kurz­zeit­fasten verbessert die Sauerstoffversorgung und fördert die Entspannung,­ während Autophagie – ein körper-eigener Reinigungsprozess – zur Zellerneu­e­rung beiträgt.»

Fasten ist eine jahrtausendealte Praxis und hat seinen Siegeszug in die moderne Welt angetreten. Ursprünglich in religiösen und spirituellen Kontexten verankert, wird das Fasten immer mehr als Mittel zur Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens anerkannt. Doch hält das Fasten wirklich, was es verspricht?

Die Antwort auf die Frage im Titel dieses Artikels fällt differenziert aus und lässt sich am besten mit «es kommt darauf an» umschreiben. In der Praxis der Ernährungsdiagnostik analysieren wir die Stoffwechselprozesse unserer Kundinnen und Kunden mithilfe modernster medizinischer Methoden sehr präzise. Dabei stellen wir fest, dass zwischen den verschiedenen Fastenmethoden signifikante Unterschiede bestehen. Werfen wir zuerst einen Blick in die Vergangenheit.

Herkunft
Das Fasten, ursprünglich in Weltreligionen wie dem Christentum, dem Islam und dem Judentum als Ausdruck von Demut, Selbstreflexion und Sühne verankert, hat in der heutigen Gesellschaft, insbesondere im Bereich Gesundheit und Fitness, eine beachtliche Neubewertung erfahren. Wissenschaftliche Erkenntnisse untermauern die positiven Auswirkungen des Fastens auf Langlebigkeit und die Prävention chronischer Erkrankungen. Zudem hat die Entdeckung der Autophagie, eines durch Fasten aktivierten zellulären Reinigungsmechanismus, das Verständnis seines gesundheitlichen Nutzens weiter vertieft.

«Intervallfasten birgt gesundheitliche Risiken wie Müdigkeit und Viszeralfettzunahme gegenüber geringen Diätvorteilen. Häufig resultieren daraus Gesundheitsprobleme, während die positiven Effekte meist nur auf dem universellen Prinzip des­ Gewichtsverlusts beruhen.»

Was bedeutet Autophagie?
Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Stadtplaner, der neue Gebäude am Rand einer verfallenden Stadt errichtet. Unwirtschaftlich, nicht? Ähnlich verhält es sich mit unserem Körper: Er erhält seine Zellen, selbst wenn sie nicht mehr optimal funktionieren, solange er kontinuierlich F Nährstoffe bekommt. Hier kommen Essenspausen ins Spiel – nicht nur das Auslassen von Snacks, sondern ­richtige Fastenperioden von mindestens 12 Stunden. Autophagie, dieser körpereigene Reinigungsprozess, fördert die Zellerneuerung und den Abbau beschädigter Zellteile, stärkt die Gesundheit der Zellen und unterstützt das körperliche Gleichgewicht. Sie ist entscheidend für ein langes Leben und wirkt vorbeugend gegen Krankheiten. Neben Fasten kann auch Ausdauersport die Autophagie positiv beeinflussen.

Was ist sinnvoll, Kurzzeit- oder Langzeitfasten?
Bei der Untersuchung von Kurzzeit- und Langzeit­fasten, einschliesslich Intervallfasten, in unseren Praxen in der Schweiz, Österreich, Deutschland und Luxemburg, erkannten wir deutliche Unterschiede in den Auswirkungen beider Fastenmethoden. Kurzzeitfasten (1–2 Wochen) erfordert bewusstes Vorgehen und Achtsamkeit, nicht blosses Hungern. Dieser Ansatz verbessert die Sauerstoffaufnahme des Körpers, reduziert Entzündungen, optimiert den Fettstoffwechsel und verringert übermässiges Hungergefühl, oft hervorgerufen durch Stress. Wissenschaftlich wird zudem eine Stärkung des serotonergen Systems und eine bessere Entspannungsfähigkeit festgestellt. Wachstumshormone werden freigesetzt, die den Muskelerhalt unterstützen.

Im Gegensatz dazu birgt Langzeit- oder Intervallfasten als Diätform gewisse Risiken. Insbesondere der Verzicht auf das Frühstück kann zu Stoffwechselproblemen führen und das Immunsystem schwächen, was die Gefahr von Krankheiten erhöht. Viele Patienten erleben nach Intervallfasten negative Reaktionen wie Entzündungsschübe bei Autoimmunerkrankungen, Schlafstörungen oder Erschöpfung – im Gegensatz zu den oft beworbenen Vorteilen. Langfristiges Fasten widerspricht einer natürlichen Lebensweise, da der Körper Energie und essenzielle Nährstoffe benötigt.

«Der Begriff Autophagie stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet ‹sich selbst verzehren›. Autophagie bezeichnet den natürlichen Prozess der Zellerneuerung, Zellreinigung und Zellregeneration.»

Hype mit Beipackzettel
Verschiedene wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Intervallfasten, namentlich das Auslassen des Frühstücks, bedenkliche Schattenseiten aufweist. Diese Praxis, die keinen eindeutigen Vorteil gegenüber anderen Diätformen erkennen lässt, wird sogar mit erhöhten Krebsrisiken und einer Zunahme des problematischen Viszeralfetts in Verbindung gebracht. Die vielfach gepriesenen positiven Effekte scheinen hauptsächlich auf dem universellen Prinzip des Gewichtsverlustes zu basieren, der ein Begleiter jeder Diät ist. In der klinischen Praxis begegnen wir oft Patienten mit Symptomen wie Kurzatmigkeit und verminderter mentaler Energie, die bis zu Schlafstörungen und depressiven Episoden reichen. Interessanterweise scheint langfristiges Fasten weniger eine Brücke zur Autophagie als vielmehr ein Pfad zur Katabolie zu sein – einem Zustand, der die essenzielle körperliche Substanz eher abbaut als sie zu erneuern.

Fazit
Das Fasten bietet durchaus gesundheitliche Vorteile, doch kommt es entscheidend darauf an, wie es umgesetzt wird. Kurzzeitiges Fasten kann unter geeigneten Bedingungen förderlich sein, während langfristiges Fasten mit Weglassen des Frühstücks gewisse Risiken mit sich bringt. Daher ist es von grosser Bedeutung, Fastenmethoden individuell abzustimmen und dabei sowohl körperliche als auch psychische Zustände und Bedürfnisse zu berücksichtigen.